Talk mit Tatjana

Talk mit Tatjana

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00:00:01: Persönlichkeiten ganz persönlich im Talk mit Tatjana Lackner.

00:00:11: Im heutigen Talk mit tatjana geht's wieder mal philosophisch zu, er ist Kulturpublikist der Philosoph unseres Landes.

00:00:19: Er remittierter Universitätsprofessor Gründer des Philosophikums in Lech und er hat das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erhalten.

00:00:30: herzlich willkommen Konrad Paul Lesmann.

00:00:32: schönen guten Tag

00:00:34: Lieber Conrad, du warst ja bereits zweimal im Talk mit Tatjana und dein neues Buch.

00:00:39: Was nun eine Philosophie der Krise ist.

00:00:42: natürlich ein genialer Anlass dass wir beide wieder reden und das wenn Gespräch führen.

00:00:46: bitte stelle dich doch unser Podcast Community mal kurz selber vor.

00:00:51: Ja ich kann das nur ergänzen was Du schon gesagt hast.

00:00:53: mein Name ist Conrad Pauliesmann.

00:00:55: Ich war viele Jahre lang Professor für Philosophien an der Universität Wien.

00:00:59: Bin offiziell im Ruhestand, allerdings hat das nicht meine anderen Aktivitäten und Tätigkeiten tangiert.

00:01:08: ich leite gemeinsam jetzt mit Barbara Bleisch dieser Schweizer Philosophin weiterhin das Philosophikum Lechische bin als Autor Präsent, wie man sieht.

00:01:19: Ich schreibe für unterschiedliche Medien und Zeitungen, habe eine ständige Kolumne zum Beispiel in der kleinen Zeitung.

00:01:28: Interessiere mich nach wie vor für das politische Geschehen, für gesellschaftliche technologische Veränderungen großen Leidenschaften gleichsam semi-professionalisiert, nämlich meine Liebe zur Oper.

00:01:47: Ich mache gemeinsam mit den Literaturhaus Graz und der Grazer Oper eine Reihe Philosophie und Oper und Ähnliches auch für Österreich.

00:01:56: Sehr

00:01:56: cool!

00:01:56: Ja also jemand, der ja dort begonnen hat... Also ich habe irgendwann mal mich mit der Opernstimme auseinander gesetzt.

00:02:02: da haben wir ja was in kommen Du, die Menschheit verfügt heute über mehr Wissen als jemals zuvor.

00:02:08: Warum scheinen Sie gleichzeitig orientierungsloser denn je?

00:02:12: Woran liegt das?

00:02:15: Vielleicht daran, dass jetzt diese beiden Überlegungen von dir oder Thesen von dir vielleicht nicht ganz stimmen.

00:02:23: Ich bin skeptisch ob der Mensch halt wirklich über mehr wissen als ich zuvor verfüge.

00:02:32: Es ist eines Richtiges, es wird mehr denn je publiziert.

00:02:37: Das stimmt!

00:02:39: Ob das tatsächlich immer zu einer Wissensvermehrung führt oder ob da unglaublich viele Erläufe dabei sind, ist fraglich.

00:02:47: Man muss auch zwischen wissen und wissen unterscheiden.

00:02:50: D.h.,

00:02:50: es gibt natürlich Wenn man so sagen will, naturwissenschaftliches Wissen, technologisches Wissen.

00:02:57: Da haben wir unglaublich viel dazugelehnt in den letzten zwei, drei hundert Jahren.

00:03:02: und wenn man sagen muss die Grundlagen all unseres modernen Wissens, all unserer modernen Technologien wurden im Wesentlichen im achtzehnten und neunzehnte Jahrhundert gelegt.

00:03:13: Das heißt es kommt immer wieder was dazu aber vielleicht nicht unbedingt immer gleich das radikal neue Bereichen, vor allem was jetzt gesellschaftspolitische Entwicklungen betrifft.

00:03:27: Was das Verhältnis der Menschen zueinander betriffe, was Kommunikationen betriffte?

00:03:33: Was die Fragen des Umgangs betriften?

00:03:36: Was Probleme der Aggressivität betriffen?

00:03:38: Was Krieg und Frieden betrachten?

00:03:40: weiß ich nicht, ob wir hier wirklich einen Wissenszuwachs zu verzeichnen haben.

00:03:47: Wenn ich auch Antikeautoren lese wie den griechischen Historiker Tukydides, der über die Kriege seinerzeit schreibt... Dort finden sich Einsichten, Weisheiten, Warnungen überlegungen.

00:03:59: Die genauso eins zu eins übertragbar wären auf die kriegerischen Konflikte unserer Tage.

00:04:05: Da sehe ich keinen Wissenszuwachs.

00:04:07: Übrigens auch ein Grund, warum es ist noch immer lohnt, die antiken Autoren oder ältere Autoren zu lesen und in unsere Überlegungen mit einzubeziehen.

00:04:18: Ja, finde ich cool!

00:04:19: Und das Zweite ist ... was ich auch ganz interessant finde Stimmt diese These von der Orientierungslosigkeit?

00:04:29: Ich habe mitunter an Gegenteilung Eindruck.

00:04:33: Ich habe noch nie so viele Menschen getroffen, als in unserer Gegenwart, die genau wissen was los ist.

00:04:37: Die eine fixe Überzeugung haben und die wissen wo gut und böse es, wo rechts und links es, wie progressiv und reaktionär er ist.

00:04:46: tief überzeugt sind auf der richtigen Seite zu stehen, denen ganz klar ist die Fehler vergangenen Generationen ihrer Väter oder Großväter und U-Großväter hätten sie selber nie gemacht.

00:04:57: Also gar keine Rede davon, dass da irgendjemand orientierungslos ist auch bei den brennenden Konflikten unserer Zeit, die so kompliziert sind wo man sagen könnte also da kann ich ja gar keine einfache Meinung dazu haben.

00:05:09: dann muss ich nachdenken muss sich lesen.

00:05:12: da bin ich vielleicht befangen aus persönlichen Gründen familiären Milieubedingten Gründen, da halte ich mich eher zurück.

00:05:18: Auch dort ist völlig klar für die meisten Menschen was Sache isst sodass ich denke, nein im Gegenteil so viel Orientierung wie heute war noch nie.

00:05:29: Ja also das heißt wir haben eine ganze Menge Meinungen aber nicht immer so viele Ahnung.

00:05:32: da ist ganz bestimmt was dran.

00:05:34: du kritisierst seit Jahren bestimmte Entwicklungen in Bildungswesen.

00:05:37: Also haben wir jetzt Bildung wie du schon gesagtest durch Qualifikation ersetzt und wissen durch Kompetenzmanagement.

00:05:44: ist es ein bisschen der Punkt.

00:05:46: kann eine Demokratie dauerhaft bestehen wenn ihre Bürger zwar informiert sind Aber nicht unbedingt zwingend gebildet?

00:05:53: Ja, ich fürchte auch das in zwei Fragen.

00:05:58: Die zwei Ebenen berühren die oft so zu sagen vermischt werden oder einen Verhältnis zueinander gesetzt werden, den man vielleicht aber auch trennen sollte.

00:06:09: Das eine ist ja – Ich kritisiere die Bildungsentwicklung.

00:06:13: Ja, Wissen, was er nicht bedeutet hat oder nie bedeutet hat sinnlos irgendwas in sich hinein zu stopfen.

00:06:22: So ein Wissen war immer geknüpft an die Vorstellung dass man Informationen hat das man diese Informationen verknüpfen kann dass man Kosolitäten erkennt, das man reflektieren kann.

00:06:34: Dass man einen kritischen Zugang dazu hat, dass man Zusammenhänge herstellen kann.

00:06:40: Das war Wissen, dass mir etwas versteht!

00:06:43: Dass man Prozesse, Naturgesetze gesellschaftliche Entwicklungen, historische Zusammenhange versteht, dass das oft in traditionellen Bildungseinrichtungen nur sehr unvollkommen vermittelt worden ist.

00:06:56: Es steht außer Streit aber das war zumindest das Ideal und dieses Ideal lässt sich nicht ersetzen durch Kompetenz.

00:07:03: es gibt keine Kompetenzen die irgendetwas besagen würde wenn sie nicht einen Wissen im Hintergrund hat.

00:07:13: Es gibt keine kompetenz die einen Sinn ergebe wenn sie nicht als Voraussetzung verstanden wird für etwas, was Menschen wissen wollen.

00:07:26: Was Sie erwerben wollen.

00:07:28: Einfaches Beispiel Lesekompetenz Als solche besagt gar nichts.

00:07:33: Wenn ich junge Menschen nicht vermitteln kann dass es sinnvoll ist die Lesekompetenz zu erwärmen weil man das und jenes und dieses lesen soll oder lesen könnte oder lesem müsste Dann sagt jeder, wenn keiner mir sagen kann was er lesen soll.

00:07:48: Sobald du brauche ich eine Lesung von Betämmten, das genügt jedes Emoji am Handy.

00:07:52: Wozu noch lesen?

00:07:54: Das heißt also der Kompetenzbegriff hat uns unglaublich in die Irre geführt, hat den letzten zwanzig Jahren sage ich verheerendes angerichtet und ist sicher Mitschuld daran dass mittlerweile bis so einem Drittel auch der erwachsenen Menschen Österreich als funktionale Analfa-Weten bezeichnet werden müssen die nicht mehr sinnerfassend und zusammenhängend komplexere Texte lesen können.

00:08:21: Wir begegnen dem, indem wir Texte anbieten in einfacher Sprache – das ist eine Kapitulation, ein Armutszeugnis!

00:08:29: Das ist das Eine.

00:08:30: Das Andere ist natürlich, kann man sagen, wir brauchen gebildete Menschen, wobei Bildung interessanterweise in unserer Tradition immer auf das Individuen bezogen war Das heißt, die klassischen Bildungstheoretiker wie Wilhelm von Humboldt und andere haben immer argumentiert, Bildung ist etwas was zu Entfalten des Einzelnen führt.

00:08:55: Was dazu führen soll dass die Fähigkeiten, die Möglichkeiten der Talente, die Begabungen die jemand hat bestmöglich entwickelt werden und zwar nicht im Sinne eines Speziales Bildung, dass man praktisch nur einen Muskel, sei es jetzt ein Gehirnmuskel oder Körpermuskel trainiert und alles andere vernachlässigt.

00:09:15: Sondern im Sinne einer umfassenden Persönlichkeitsbildung in der geistig-intellektuelle, kognitive Ebene, seelischemotionale Ebenen und auch physischkörperliche körperliche, leibliche Ebenen eine Einheit.

00:09:29: Pass

00:09:30: auf ein bisschen Dreifeutigkeit, Körpergeist zählen eine.

00:09:33: Du wirst massmal praktisch...

00:09:34: Aber nur noch ein Gedanke!

00:09:36: Weil das wichtig ist was die Demokratie betrifft.

00:09:40: Verdreht euch radikal?

00:09:42: Die Auffassung der Demokratie ist der Versuch Menschen mitbestimmen zu lassen über die Formen des Zusammenlebens wobei jeder der Beteiligten gleich viel Rechte hat wie alle anderen.

00:10:02: Das heißt, eine Demokratie muss auch funktionieren können mit Ungebildeten.

00:10:06: Das ist sozusagen die Herausforderung!

00:10:09: Ich kann demokratische Prozesse nicht abhängig machen von Einkommen, von Vermögen, von Religion, vom sozialen Hintergrund und auch nicht von Bildung.

00:10:19: Denn auch da ungebildete oder weniger gebildete, lebt in dieser Gesellschaft.

00:10:25: Lebt in ihren Zusammenhängen hat Probleme, hat Sorgen, hat Vorstellungen was vielleicht gelöst werden kann.

00:10:33: Manchmal übrigens bessere als die Gebildeten, die dann irgendwo abgehoben in ihrer Blase schwäben so dass es ganz wichtig ist dessen Stimme genauso gleichwertig zu berücksichtigen und zu behandeln wie jede andere.

00:10:46: Gleichwärtig ja aber das heißt nicht, dass man das Tor für die direkte Bürokratie Falls du für die direkte Demokratie noch größer machen musst, das ist nicht dein Gewenkrede oder?

00:10:56: Naja ich schwanke hier.

00:10:57: Ich bin eins an sich Herr Verfächter der Repräsentativen.

00:11:00: Die Demokratie hat gute Gründe auf ihrer Seite.

00:11:04: Auf der anderen Seite muss ich sagen entsprechende Lernprozesse vorausgesetzt.

00:11:09: Die Schweizer Demokratie funktioniert sehr gut und die direkte Demokratie halt einfach den großen Vorteil dass bei Fragen wo die Menschen das Gefühl haben, es betrifft mich unmittelbar.

00:11:21: Sie gleich so vor Ort!

00:11:23: ihre Stimme einbringen können und die Mandatare, die sozusagen politischen Institutionen auf Gemeindeebene, auf Kantonsebene immer unmittelbar sofort verantwortlich sind für das was sie tun.

00:11:40: Und das hat natürlich sehr große Vorteile wenn man sich viel mehr eingebunden fühlt in der Entwicklung seiner Stadt seine Region seines Dorfes seines Landes.

00:11:51: Also wenn man alle vier oder fünf Jahre einmal zur Wahl geht und dann war es das.

00:11:56: Ich könnte mir schon vorstellen, dass ist mehr!

00:11:59: partizipativ und direkt demokratische Elemente in der österreichischen Demokratie geben könnte.

00:12:05: Du machst mal praktisch, jetzt wenn uns jemand zuhört oder zusieht – wir sind ja ein Vodkaast auch!

00:12:11: Und sagt also die Schulzeit ist hinter mir ich kann jetzt immer altgriechisch und Latein nachbüffeln hat dich vielleicht nie….

00:12:17: Also was solls?

00:12:19: Wie kann man denn als Erwachsener schauen dass man trotzdem noch zu seinem Scheufelchen an Bildung kommt?

00:12:25: Also lesen ist das eine ok?

00:12:27: Was is denn da so?

00:12:28: Deine Empfehlung, wer?

00:12:30: für viele Menschen ist ja die Schulzeit zu spät?

00:12:34: Naja also da muss ich sagen obwohl ich an sich den modernen Entwicklungen in digitalen Technologien hin und wieder sehr skeptisch gegenüberstehe.

00:12:46: Aber was diesen Bereich betrifft der gibt's nun wirklich keine Ausrede mehr.

00:12:52: D.h.,

00:12:53: die Digitalisierung hat sich eines mit sich gebracht, es gibt keine Bildungsbarrieren mehr.

00:12:58: Früher zu geheißen kann man die Bücher nicht leisten oder ich wohne im Dorf.

00:13:02: wie soll ich jene Opa hören können?

00:13:04: und das findet nur in der Stadt statt.

00:13:07: Das heißt diese sozialen Barrieren, diese kulturellen Barriern, diese geografischen Barriere, diese milieubedingten Barrières gibt's prinzipiell nicht mehr.

00:13:16: jeder der sich fehlt was er interessiert oder interessieren möchte Der... hat Zugriff auf Informationen, auf Videos und Einführungen.

00:13:25: Auf Podcasts?

00:13:26: Auf Podcast aller Art!

00:13:30: Natürlich auch auf Texte oder Bücher.

00:13:37: So dass es hier wirklich eher darum geht den Menschen klarzumachen.

00:13:44: Es kommt jetzt auf die innere Bereitschaft drauf an.

00:13:50: Na ja, sinnlos tagelang mit irgendjemandem zu chatten ist eine Alternative.

00:13:55: Sinnlos sich irgendwie die Doc-Videos reinzuziehen ist die eine Alternativen und die andere Alternative werden!

00:14:01: klugen Podcast zu hören, die andere Alternative wäre sie über das Internet ein interessantes Buch runterzuladen und

00:14:08: zu lesen.

00:14:08: Aber die Dopaminausschüttung ist möglicherweise bei uns jetzt gar nicht so groß wie beim Tiktok, dass dich mit Faschenbildern belohnt?

00:14:14: Also das ist natürlich auch zum Teil ein chemischer Prozess.

00:14:17: Das ist ja zum Teil eine chemische Prozess der meines Erachtens überschätzt wird!

00:14:21: Wäre das der

00:14:21: Fall?!

00:14:23: dann würden wir noch in der Steinzeit sein, weil dort die unmittelbare Dopamin-Ausschüttung beim kurzen Killen eines Tigers wesentlich größer war als in der Hölle zu sitzen und nachzudenken wie man das Feuer bending kann.

00:14:37: Das heißt eine ganze Fortschritt!

00:14:40: im Wissen, in den Technologien im Erkennen beruht wir darauf.

00:14:45: Dass wir gelernt haben nicht unmittelbar auf Reize zu reagieren und nicht uns unmittelbare Belohnen zulassen sondern etwas Abstand gewinnen zu können, Distanzen einlegen zu können Phasen der Kontemplation des Nachdenkens das Rückzugs ums eröffnen zu können auch Verzicht leisten zu können Prostrationserlebnisse durchhalten zu können.

00:15:09: wie viel Viel physikalische Experimente sind schief gegangen.

00:15:13: Hätten die alle gesagt, na geht Schiffkrieger Belohnung?

00:15:17: Was anderes, was schneller geht, hätten wir keinen Fortschritt.

00:15:21: und ich finde das ist auch ein Problem unserer Zeit.

00:15:23: wie suggerierende jungen Menschen immer du sollst alles unmittelbar bekommen Du solltest nie frustriert werden dürfen, du solltest nicht auf etwas warten müssen.

00:15:33: Das ist tödlich für den Entwicklung einer Gesellschaft.

00:15:36: Aber jetzt ist ja Glück so eine große Währung geworden.

00:15:39: Und auf der anderen Seite, das haben wir bei Kafka und bei vielen andern gelernt, also denken hinter Fragen versteht Zusammenhänge bauen macht net zwingend glücklicher.

00:15:48: Also das wäre jetzt nicht der Anreiz?

00:15:50: Das

00:15:50: wäre eigentlich der unmittelbare Anreize.

00:15:53: Da stimmt natürlich.

00:15:56: vielleicht müsste man auch hier unterscheiden zwischen Glück als momentane Glücksempfindung und dem, was man ein erfülltes Leben nennen kann.

00:16:08: Denn zu einem füllten Leben gehört nicht nur das unmittelbare glatte leicht herstellbare Glück also der gelungene zwei Wochen Urlaub sondern zu einem erfüllten Lehm gehören eben auch Erfahrungen die wir eher negativ bewerten.

00:16:25: Da gehören natürlich dazu Verlusterfahrungen, da gehört Trauer dazu, da gehören Frustrationen dazuu und da gehörn eben auch diese Erfahrungen dazue auf etwas... lange hinzuarbeiten, auch Rückschläge einzustecken.

00:16:42: Aber es gehört zu diesem erfüllten Leben auch dieses wunderbare Gefühl etwas erreicht zu haben, etwas produziert zu haben und etwas hervorgebracht zu haben – sei es jetzt ein matereles Werk, sei es etwas in familiären Umfeld-, sozialen Beziehungen oder in Partnerschaften.

00:17:00: Es macht doch dann bis zum Gewissen gerade auch wirklich zufriedener und glücklicher Partnerschaft zurückblicken zu können.

00:17:07: Wir haben gemeinsam schwierige Zeiten erlebt, wir haben Konflikte gehabt.

00:17:10: Wir haben es nicht immer gut verstanden aber wir haben es durchgestanden.

00:17:16: Das hat doch ganz eine andere Qualität als nur zu sagen oh war eine super Abend der nächste war nicht mehr so gut da lass uns wieder sein.

00:17:26: und jetzt was das Nachdenken betrifft dass die Reflexion betrifgt Es gibt schon in der Philosophie seit er Antike bekannt eine Zweihheit.

00:17:39: Es gibt auf der einen Seite die Anstrengung, die auch mit geistiger Arbeit verbunden ist und es gibt auf den anderen Seite Adorno hat das mal so schön formuliert das Glück des Erkennenden.

00:17:52: Das heißt auf etwas gestoßen zu sein, ein Erkenntnis gewonnen zu haben, das Gefühl zu haben jetzt verstehe ich etwas um dass sich lange gerungen habe.

00:18:02: Das ist schon eine ganz beziehliche Form vom Glücksverfahren, auf die ich nichts verzichten möchte und ich bedauere jeden Menschen der sich mit vorschnellen und unmittelbaren und einfachen konsumatorischen Glück zufrieden gibt.

00:18:19: Also er befriedigt halt seine Unmittelbahnbedürfnisse oder lässt sie sich befriedigen besser?

00:18:25: Wir wollen also für nichts mehr anstrengen!

00:18:28: Und auf der anderen Seite das Gefühl, etwas von selbst erreicht zu haben.

00:18:33: Etwas sich selbst zu verdanken – das ist doch was ganz Wunderbares!

00:18:37: Und es haben wir erlebt nach sechs Büchern die ich geschrieben habe war das ja jedes Mal so ein Prozess.

00:18:43: du hast umso viele mehr geschrieben.

00:18:45: eines Hammer da.

00:18:46: Dein Buchtitel «Was nun?» klingt ja nach einer einfachen Frage Das is ja Was Nun.

00:18:52: Aber vielleicht ist es doch die radikalste philosophische Frage überhaupt, weil sie uns zwingt Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

00:18:59: Also was ist denn davon die Idee?

00:19:02: Sag mal was zu deinem Buch?

00:19:05: Die Idee war tatsächlich nachdem in unserer heutigen Zeit so viel von Krisen die Rede ist, einmal im Begriff der Krise genauer unter die Lupe zu nehmen.

00:19:16: Ich bin natürlich sofort drauf gekommen und habe mich auch verblüfft.

00:19:20: und da interessiert Wie viele unserer auch Alltagsworte geht auch das Wort Krise auf eine griechische Wurzel zurück.

00:19:34: Krinein im altgriechischen bedeutet so viel wie Urteilen oder Unterscheiden.

00:19:38: Denk mal, interessant in der Krise werden offensichtlich Unterscheidungen getroffen und das Interessante ist dabei oder das Witzige ist dabei unser Wort Kritik, dass wir auch hier ständig einen Mund führen müssen, sondern ständig ein Bild kritisieren.

00:19:51: oder junge Menschen soll zu.

00:19:53: kritischen Haltungen erzogen werden.

00:19:55: So hat Kritikit auf dasselbe Wurzels zurück.

00:19:57: Das bedeutet auch, Unterscheidungen treffen zu können und das macht ja der Kritiker nicht.

00:20:02: Der Turkritiker sagt, ein gutes Boot ist ein schlechtes Boot.

00:20:04: Eine

00:20:05: Krise mit der Kritik

00:20:06: demnach!

00:20:08: Und meine These ist jetzt, also während der Kritik oder als Kritiker wir selber Unterscheidungen treffen, indem wir im Beurteilen bewerten.

00:20:18: Werden wir von einer Krise von Unterscheitungen getroffen?

00:20:22: Nämlich der einfachen Unterscheitung.

00:20:23: etwas was funktioniert hat, funktioniert nicht mehr.

00:20:26: Etwas was gültig war wird ist nicht mehr gültige.

00:20:30: Etwa so dass wir uns verlassen haben stimmt nicht mehr.

00:20:34: Wir können es nicht mehr darauf verlassen.

00:20:36: jeder der mal eine Beziehungskrise durchgemacht hat, weiß wovon ich spreche.

00:20:40: Es hat alles bis jetzt wunderbar funktioniert und dann sieht man irgendwie eine Geste einen Blick.

00:20:45: jemand kommt zu spät kann keine gute Antwort geben warum?

00:20:49: Und man weiß es ist nicht mehr wie vorher irgendwas passiert.

00:20:53: und dann hat man die Krise.

00:20:55: und das kennt Zeichen einer Krise dass es meine These ist immer dass sich jetzt sofort Frage stellt was nun Wie geht es jetzt weiter?

00:21:04: Sehe ich drüber hinweg, tue ich so als wäre nichts geschehen.

00:21:07: Thematisiere ich das, provoziere ich dann womöglich einen Bruch.

00:21:12: Versuche ich das zu kitten und reiche morgen Gescheitungen ein.

00:21:16: Aber im Moment der Krise selber weiß ich noch nicht was ich tun soll!

00:21:20: Und das ist vielleicht das, was wir früher Orientierungslosigkeit genannt haben... Ich würde es eher Ratlosigkeiten nennen und das trifft nur auf Krisensituationen zu.

00:21:32: wie es jetzt weitergeht.

00:21:33: Aber es muss weitergehen, keine Krise bleibt dabei stehen.

00:21:37: die Dinge entwickeln sich weiter und wir müssen dann einfach Entscheidungen treffen.

00:21:43: Wir können auch abwarten nichts tun.

00:21:45: Dann wird die Wirklichkeit über uns entscheiden.

00:21:48: dann werden wir sehen was rauskommt.

00:21:50: Zuletzt habe ich dich im Theater in Park erlebt gemeinsam mit Michael Kühlmeier und da ging es natürlich genau um diese Zeit der permanenten Krisendiagnosen, in denen wir da leben.

00:22:01: Ist die Krise jetzt noch eine Ausnahme oder ist es längst unser Normalzustand geworden?

00:22:06: Weil darüber habt ihr euch auch unterhalten!

00:22:08: Ja das ist eine spannende Frage.

00:22:12: Meine These ist ja wenn man das Gefühl hat meine Krise ist zum normalen Zustand geworden dann ist es keine Krise mehr.

00:22:20: dann leben wir eben mit vielen Dingen, die nicht gut funktionieren.

00:22:26: Aber ich kann damit leben!

00:22:27: Man kann es sehr gut illustrieren an einem Beispiel das am Beginn der Verwendung des Wortes Krise steht.

00:22:36: in der Antike war die Krise war der Begriff der Krise auch sehr stark vertretenen der Medizin für Hippokates Jene kurze Zeit und begrenzte Zeit im Verlauf einer Krankheit, die Prokatesse zusammen der Ahneher der Medizin.

00:22:51: In verlaufener Krankheit jene Tage wie er schreibt, die darüber entscheiden ob ein Patient genießen wird oder eben die Krankheit nicht geheilt werden kann.

00:23:03: Jetzt ist völlig klar die Krise das ist diese begrenzte Zeit wo etwas entschieden wird.

00:23:08: aber natürlich kann es auch sein dass ich chronische Krankheit habe mit der ich leben kann.

00:23:14: Ich muss auch sorgsam sein, vielleicht kann man das

00:23:18: behandeln.".

00:23:19: Aber es ist dann keine Krise mehr.

00:23:20: So eine chronische Krankheit, die mein Leben begleitet zu einem Bestandteil meines Lebens wird.

00:23:26: Das heißt nicht jedes negative Phänomen das über einen längeren Zeitraum ums begleitete, ist eine Krise.

00:23:33: Eine Krise daran möchte ich festhalten auch wenn das vielleicht ein bisschen schematisch erscheint.

00:23:38: Eine krise hatten Anfang und hatten Ende.

00:23:41: Die Corona-Krise zum Beispiel.

00:23:43: Wir wussten genau an welchem Tag dieses Virus aufgetaucht ist in Wuhan wie schnell sie die Welt verbreitet hat und wir brauchen nur in den Regierungserklärungen nachlesen, wann die Corona-Krise offiziell beendet worden ist.

00:23:57: Und das waren drei Jahre für viele Furchtbarriere aus unterschiedlichsten Gründen.

00:24:03: Die am Anfang ja ganz zentral gekennzeichnet war.

00:24:07: noch diese Frage was nun ein neues unbekanntes Virus?

00:24:10: Keiner!

00:24:11: Auch die Experten haben gewusst wie man wirklich damit umgeht, wie gefährlich es.

00:24:18: Natürlich eine Reihe von Fehlentschätzungen auch.

00:24:20: Verständlich, es war etwas Vorkommen Neues und man musste sich erst langsam abarbeiten an diesen Phänomen aber irgendwann war's vorbei.

00:24:31: Du früher haben Menschen nach dem Sinn des Lebens gefragt.

00:24:35: heute fragst du nach der Selbstoptimierung.

00:24:38: ist das so ein kultureller Fortschritt oder in Wirklichkeit eine formgeistige Verarmung?

00:24:43: Was ist denn das?

00:24:43: wir leben ja in der Zeit von Selbstoptimerung.

00:24:48: Naja, ich würde doch gar keinen großen Unterschied machen.

00:24:53: Vielleicht eine kleine Korrektur?

00:24:54: Ich habe früher auch immer geglaubt, dass die Menschen immer noch den Sinn des Lebens gefragt haben.

00:25:00: Es war der Philosopher Günther Anders, der mich in einem persönlichen Gespräch darauf aufmerksam gemacht hat – das zumindest eine Philosophie!

00:25:09: Und da stellte er sich die Philosophies, stellt die Sinnfrage, dass zumindest eine Philosophy die Falle auch dem Sinn des Lehmens nie zentral war.

00:25:17: sondern wonach die Philosophie und übrigens auch die Theologie gefragt haben wir nicht.

00:25:22: Die Frage nach dem Sinn des Lebens, sondern die Frage noch den Sinn des Leidens.

00:25:28: Das heißt das wir leben, dass wir gern leben, das wir gerne gut leben, was Leben schön ist in all seinen Facetten stand nie außer Streit.

00:25:37: aber warum werden wir krank?

00:25:41: Warum gibt es so viel Elend?

00:25:43: Warum gibt's Armut, warum gibt's Not.

00:25:45: Warum erleben wir Schmerzen körperlicher Art, seelischer Art?

00:25:50: Warum fügen wir uns vollkommen absurd diese Schmerze auch selber oder unseren Mitmenschen

00:25:55: zu?".

00:25:56: Das war die Frage, die man sich gestellt hat!

00:25:59: Was hat denn dieses Leid für einen Sinn?

00:26:02: und das Christentum hat eine Antwort darauf gefunden?

00:26:04: Verschiedene Philosophien haben eine Antwort draufgefunden.

00:26:07: Die Frage nach dem Sinn des Lebens taucht eigentlich erst in der Moderne auf Erst im neunzehnten Jahrhundert, erst in der Zeit, in der religiöse Gewissheiten brüchig werden zusammenbrechen.

00:26:20: Und von allen Anfangen an war diese Frage nach dem Sinn des Lebens verknüpft mit der Frage nach der Selbstoptimierung.

00:26:29: Also das heißt irgendwann hat der Mensch sich selber in die

00:26:30: Hand genommen?

00:26:31: Genau!

00:26:31: In dem Moment wo ich an keinen Gott mehr glaube und besser noch das Nietzsche formuliert also wenn Gott tot ist dann bleibe nur ich übrig.

00:26:39: Und dann geht es darum, mir selbst einen Sinn zu geben an mir zu arbeiten.

00:26:44: Ist das ein Säkularisierungsakt

00:26:46: in Wahrheit?

00:26:47: Wo man sagt daran kann man erkennen ob...

00:26:49: Na ja, wenn's ein Sekularisierungsakt ist, dann wird die Christliche Erlösungskonzeption sekularisiert.

00:26:59: wie erlösen uns selber?

00:27:01: alles was aus der Religion versprochen hat müssen wir selber in die Hand nehmen bis hin zur Unsterblichkeit.

00:27:08: Zum Sterblichkeitsfantasien im Silicon Valley sind mittlerweile viel diskutiert.

00:27:14: Und natürlich am Anfang all dieser Optimierungskonzepte steht der Übermenschgedanke von Friedrich Nietzsche, nur war der Übermensch bei ihm noch eher eine geistig seelische.

00:27:25: Kategorie, wir sollten innerlich über uns hinaus wachsen.

00:27:30: Heute, ich sage jetzt nicht dass wir das darauf reduziert haben aber wir ergänzen es natürlich auch durch physische doch körperliche Optimierung.

00:27:40: Ich bin nur selber ziemlich ambivalent denn vernünftig gesehen gibt's wenige Argumente dagegen, seine Gesundheit zu verbessern.

00:27:49: Seine physische Verfassung zu verbesseren und seine Leistungsfähigkeit so lange als möglich

00:27:54: zu

00:27:54: erhalten.

00:27:58: Die Arbeit am Körper, die Arbeit in der Schönheit, am äußeren Erscheinungsbild... gibt's so lange es Menschen gibt.

00:28:07: So alt kann ein steinzeitlicher Grabfund gar nicht sein, dass man nicht schmuckfindet in diesen

00:28:13: Gräbern.".

00:28:14: Ja?

00:28:14: Das ist wahr!

00:28:15: Du hatt die Philosophie heute überhaupt noch die Kraft gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen oder ist sie zur Kommentatoren geworden eines Geschehens der sind Wirklichkeit woanders entschieden wird?

00:28:29: Naja einerseits hat die Philosophy immer vorrangig diese Kommentatorenfunktion gehabt.

00:28:37: Wenn sie etwas beeinflusst hat, dann nicht weil sie direkt eingegriffen hat, sondern weil diese Gedanken aufgegriffen worden sind und Jahre, Jahrzehnte, mal Jahrhunderte später ganz gravierende Konsequenzen gehabt haben.

00:28:54: ein Beispiel Immanuel Kant's Philosophie, Immanuel Kanz Konzeption von Menschenrechten ist entwickelt worden im späten Jahrhundert.

00:29:06: in eine politische Form gegossen im Gestalt des deutschen Grundgesetzes, wo sie nach dem zweiten Weltkrieg also mehr als zweihundert Jahre später so wirkt der Philosophie.

00:29:16: Zu glauben die Philosophien sozusagen kann unmittelbar einwirken und unmittelbare Gesellschafts verändern das war immer schon wenn man so sagen will eine Utopie ob die gut oder schlecht war.

00:29:27: Also ich wollte

00:29:28: gerade sagen, gräte mir ganz schön genug beim kategorischen Imperativ so die Frage was wäre wenn es alle tun?

00:29:33: Es tun ja eben nicht immer an.

00:29:35: Ja, natürlich.

00:29:35: Da beginnt's ja schon!

00:29:38: Da beginn'ts aber sagen wir eine gute Theorie ist er nicht falsch oder sozusagen eine gute ethische Maxime?

00:29:47: ist es nicht falsch wenn man sich nicht daran hält.

00:29:50: Es kommt denn niemand auf die Gedanken zu sagen naja es gibt doch so viele Menschen die sich verrechnen.

00:29:59: also können wir sagen los mal die Redmetik bleiben.

00:30:02: Also wozu behaupten, dass zweimal zwei vier ist?

00:30:05: Wenn so und so viele gibt, die diese einfache Rechnung nicht auflösen können.

00:30:09: Das heißt das ungenügendem.

00:30:10: Menschen hat noch nie in der Richtigkeit einer Theorie gesprochen, würde ja mal sein Lob formulieren.

00:30:16: Okay also gut es gilt natürlich TUSCHE!

00:30:18: Wenn du auf die großen Zukunftserzählungen eben dieses zwanzigste Jahrhunderts blickst, also Fahrradschrittwohlstand, Emanzipation welche davon tragen heute überhaupt noch und welcher haben sich längst erschöpft?

00:30:30: Nein, das ist auch so etwas... wir sprechen sogar von Erschöpfung.

00:30:34: Ich frage mich warum haben wir einen Hang zur Negativität?

00:30:40: Man könnte ja auch fragen welche haben sich erfüllt.

00:30:43: Wohlstand!

00:30:44: Wir sind die reichste Gesellschaft hier in Europa.

00:30:50: Wir sind der reichsten Gesellschaft in der westlichen Hemisphäre, die je auf dieser Erde gelebt hat.

00:30:57: Wir sind eine Gesellschaft mit der höchsten Lebenserwartung, mit der besten Gesundheit und das individuelle Anschauen.

00:31:05: wenn man so komfortabelsten Technologien.

00:31:13: Wir sind auch die Gesellschaft, wo der einzelne Menschen eine Form von Freiheit hat, die er früher nicht hatte und in anderen Teilen dieser Erde nicht hatte.

00:31:23: Wenn ich allein daran denke wie problemlos wir mit unterschiedlichen Formen auf den Sexualität umgehen.

00:31:28: Was das noch vor hundert Jahren oder vor fünfzig Jahren für ... Was das bedeutet hat?

00:31:37: Welchen Einschränkungen Menschen, die eine andere Vorstellung von Sexualität hatten als das was Staat und Kirche vorgegeben haben unterlegbar.

00:31:44: Kann aber bei hundertsechsund setzig Geschlechtern auch erschöpfen und überfordern?

00:31:49: Kann überforderen man kann das auch übertreiben ist überhaupt keine Frage.

00:31:53: Man kann alle guten Ansätze übertrieben und das ist natürlich ein Riesenproblem.

00:31:59: Und da würde ich sagen sollte mir es auch wieder eine Antike Tugend erinnern das rechte Maß.

00:32:07: Das ist das Einzige, was ich zugestehen würde, wo ich auch etwas sehr kritisch die Dinge beobachte.

00:32:13: Wir haben den Maßstäber

00:32:14: verloren.".

00:32:16: Es gab

00:32:16: aber nie ein linkes Maßmerk, so dass es gab nur ein rechtes Maß.

00:32:19: Ist das nicht auch komisch?

00:32:22: Wie ist das jetzt zu verstehen?

00:32:23: Ja, das war politisch geweint natürlich.

00:32:25: Also wenn man sagt heute sind die mit dem rechten Maß ganz woanders als die linken auch interessant.

00:32:30: Natürlich ja klar.

00:32:30: Etwas ins rechte Lichtrücken ist immer dann von links aus woanders gesehen.

00:32:36: Auch interessant!

00:32:38: Aber es ist eine Maßlosigkeit.

00:32:40: über Treibungen, heimungslose Art gibt's sowohl auf der politischen Linken wie auf den politischen Rechten nicht.

00:32:48: Auf der Linken da haben wir diese Identitätsdebatte finde ich es maßlos geworden.

00:32:52: Bei berechtigten Anliegen haben wir die Diskriminierungsdebatte, die Mikroaltersionsdebatten auf der Rechten.

00:33:00: Die genauso maßlose Übertreibung – alle Ausländer raus und alle Migranten sind Verbrecher!

00:33:09: Das interessiert mich schon.

00:33:10: Warum auch intelligente Menschen?

00:33:12: Das sind ja zum Teil Akademiker, das ist zum Teil universitäre Bewegungen.

00:33:17: Auch intelligente Mensch.

00:33:19: Warum schmilzt die bürgerliche

00:33:21: Mitte dann in die Ränder hinein?

00:33:28: Weil sie es zugelassen hat von rechts und von links diskreditiert zu werden.

00:33:32: Also

00:33:37: die bürgliche Mitte hat gleich so ein politisches Programm, ihre Identität.

00:33:42: Ihre Konzeptionen von Liberalismus und Freiheit einfach verloren beziehungsweise von rechts und links angreifen lassen,

00:33:54: unnötigerweise.".

00:33:55: Und

00:33:56: auch selber daraus einen Erziehungsauftrag formuliert mittlerweile.

00:33:59: Also das ist auch was wo man sagt, man hat ja das Gefühl mehr Wett von unterschiedlichen Seiten geht zogen und er zog.

00:34:04: Ja natürlich!

00:34:06: Du weißt denn jetzt sehen wir nochmal Sokrates und Diogenes her.

00:34:09: wenn mal die beiden heute auf TikTok nehmen würden?

00:34:12: Würden die scheitern oder wären sie die erfolgreichsten Influencer?

00:34:16: weil gern gesprochen haben Sie grundsätzlich und auch eine gewisse Durchdringung gehabt?

00:34:20: wäre ein Philosoph erfolgreicher, wenn er Antworten statt Fragen stellen würde.

00:34:25: Wie ist denn das?

00:34:27: Naja es gibt ja Diktokphilosophen also wird schon solche geben die jeden gewählt erklären der diese Erklärung haben will.

00:34:36: Ich höre, dass die auch in ihren Communities sehr erfolgreich sind.

00:34:40: Ob sie eine Philosophiegeschichte eingehen werden wie Sokates und Diogenes, wage ich zu bezweifeln.

00:34:46: aber kein Mensch weiß, wie das XXIII.

00:34:50: Jahrhundert oder das dritte Jahrtausend über unsere Zeit urteilen wird.

00:34:54: Das ist das Eine!

00:34:56: Das Andere ist, Sokaters und Diogenes wären nicht auf die Trock.

00:35:05: Warum?

00:35:06: Sie haben sich damals schon den avanciertesten Medien ihrer Zeit verweigert.

00:35:15: Und das Avanzierteste Medien war natürlich die Schrift, so konnte es halt nichts schriftliches hinterlassen.

00:35:21: Denn das was ihn interessiert hat, war das lebendige Gespräch mit Gesprächspartnern.

00:35:29: Dialog, über TikTok kann ich keinen Dialog führen.

00:35:32: Ich kann mir nur das Lava anhören und über mich ergehen

00:35:36: lassen.".

00:35:36: Aber diese unmittelbar lebendige Auseinandersetzung war für Sokrates ganz zentral.

00:35:42: Und für Diogenes war etwas anderes gültig, der sozusagen ein Ort nicht reflexive, gestische Philosophie betrieben.

00:35:52: Das heißt, er hat ... den Marktplatz gebraucht, er hat die Athena um sich gebrauchte Menschen und sich gebaucht, um ihnen was zu demonstrieren.

00:36:02: Und um sozusagen ihre Reaktionen abzuwarten.

00:36:06: Dieses wunderbare Gespräch zwischen Diogenes in der Tonne und Alexander dem Großen.

00:36:14: Der Herrscher über die damalige Wählter, mächtigste Mann der Welt Kommt zu die Joghines und sagt, ich habe gehört.

00:36:20: Du bist ein bedeutender Philosoph.

00:36:22: das beeindruckte mich sehr.

00:36:25: Wünsch dir etwas!

00:36:25: Ich kann praktisch jeden Wunsch erfüllen.

00:36:28: Die Joghnis liegt dort und sagt geht, gehen wir ein bisschen aus der Sonne.

00:36:32: Und darauf sagt Alexander, wäre ich nicht Alexander wollte ich die Jogi Ness sein?

00:36:38: So etwas geht nicht auf Dick-Dock.

00:36:42: sondern das geht tatsächlich nur auf der einen Seite, sich als lebendige Situation vorstellt und auf die anderen Seite funktioniert es natürlich als Anekdote.

00:36:51: Ja absolut!

00:36:52: Und Diogenes wollte natürlich die Bühne und er wollte da auch ein Stückchen die Sichtbarkeit.

00:36:57: heute Konrad Zimmer in einer Attention Economy.

00:37:00: wir leben im Zeitalter der Sichtbarigkeit wo alle ins Licht fliegen wollen wie die Motte ins Licht.

00:37:05: was ist denn eigentlich?

00:37:07: Ist es verdächtiger heute, wenn jemand so viel Aufmerksamkeit will?

00:37:11: oder ist es irgendwie was, wenn man gar keine hat?

00:37:15: Und hat's nicht in Wahrheit auch etwas damit zu tun, dass wir Angst... Also halt eigentlich weniger Angst vom Tod haben als davor irrelevant zu sein.

00:37:23: Attention Economist!

00:37:24: Na

00:37:25: ja, das ist eine philosophische und ganz strengste philosophisch hochinteressante Frage weil wenn man sozusagen moderner moderner Mensch ist, der wirklich davon herausgeht dass das Dasein des einzelnen vollkommen kontingent ist immer alle irrelevant egal wie viel Follower wir irgendwo haben.

00:37:46: Das war aber immer schon so.

00:37:48: Das andere ist natürlich natürliches Aufmerksamkeit, das Akzeptanz etwas Wunderbares.

00:37:55: Das Problem ist nur, es kann nie für alle gelten.

00:37:58: Denn wir messen ja nicht die Zahl der Menschen, denen sozusagen an Instagram auftritt haben sondern wir bemessen die Aufmerksamkeit daran wer hat wie viele Follower

00:38:10: oder wie viele Buchleser bei was man

00:38:12: aufladet.

00:38:13: Völlig egal!

00:38:13: Ja das heißt also wir trennen natürlich zwischen die Die Aufmerksamkeit bekommen und die geben.

00:38:21: In wenigen Fällen mag sie das überschneiden, aber im Großen und Ganzen ist die Welt derjenigen, die sozusagen sichtbar sind so klein wie sie immer war.

00:38:39: Ich glaube auch nicht dass hier die modernen Medien Wesentliches geändert haben.

00:38:47: Das sind natürlich Blasen, in denen Sichtbarkeitsrituale verhandelt werden und in denen Machtkämpfe um Sichtbarkeit, um Aufmerksamkeit durchgeführt werden.

00:39:00: Das war früher nicht viel anders.

00:39:04: Da hat Aufmerksamkeit diese Währung einen anderen Namen gehabt.

00:39:07: Es hat Ruhm geheißeln.

00:39:09: also was muss man tun?

00:39:12: einzugehen, dass von einem erzählt wird.

00:39:16: Heute heißt

00:39:19: Reputationsmanagement?

00:39:20: Ja, ein schönes neues Wort wie so oft eine uralte Sache.

00:39:25: was sich geändert hat das gebe ich gerne zu das ist die technologischen Möglichkeiten das mehr Menschen prinzipiell Zugriff darauf haben.

00:39:32: aber sie müssen es ja nützen können.

00:39:34: nicht jeder der Instagram Account aufmacht hat gleich drei Millionen Follower

00:39:40: Du, wenn jede Meinung aber publiziert werden kann wird dann denken wertvoller oder billiger?

00:39:46: Wertvoller natürlich.

00:39:47: Weil?

00:39:48: Weil die mehr Meinungen da sind umso größer ist die Herausforderung zwischen diesen Meinungen unterscheiden zu können, Meinungen beurteilen zu können.

00:39:56: Meinungen befragen und hinterfragen.

00:39:59: Aber der Weg rufs auch!

00:40:01: Na ja, aber das Denken soll er diesen Wildwuchs beschneiden.

00:40:06: Man könnte sagen, dass denken ist die Mahete im Dschungeln der Meinungen.

00:40:10: Jetzt hast du vorhin gesagt warum sagt man erschöpft?

00:40:13: Man könnte auch sagen es hat sich irgendwie also positiv formuliert und erfüllt.

00:40:18: Was ist denn heute eigentlich subversiver?

00:40:20: Optimismus oder Pessimismus?

00:40:23: Naja!

00:40:25: I got him!

00:40:28: Eine meiner Lieblingsfragen, subversiv wäre zu sagen beide Positionen sind unsinnig.

00:40:38: Warum?

00:40:39: In beiden Begriffen steckt nämlich ein Superlativ.

00:40:44: Optimus ist immer das Beste, Bessimos ist immer der Schlechteste.

00:40:48: Das heißt ein wirklicher Optimist.

00:40:50: ich kenne nur einen, das war Leibniz dafür so auf Leibnetz.

00:40:55: er gesagt hatte Leben in der besten aller Welten Und das war tatsächlich das Optimismus, das beste.

00:41:02: Ich kenne niemanden heute der glaubte Leben in der besten aller Welt.

00:41:07: Der einzig wirkliche Pessimist, den ich kenne, war Arthur Schopenhauer, der gesagt hat wir leben in der schlechtesten aller Welt und zwar warum?

00:41:16: Was ist ein Argument?

00:41:17: weil wäre diese Welt nur ein bisschen anders würde sie nicht mehr existieren.

00:41:21: Das heißt schlechter geht es nicht mehr!

00:41:24: Auch diese Position vertritt meines Erachtens heute.

00:41:28: Also subversiv wäre jetzt zu sagen Optimisten sind dumm, Besse-Misten sind Dumm.

00:41:33: Sie kennen nicht einmal sozusagen die Bedeutung dieser Begriffe.

00:41:41: Das einzige was vernünftig wäre zu sagen wir könnten uns bemühen diese Welt ein bisschen besser zu machen das wird nicht die beste oder möglichen Welten aber sie könnte ein bisschen werden.

00:41:54: Und wir könnten sagen, aber man muss befürchten, dass es in verschiedenen Bereichen auch wieder schlechter werden

00:42:00: kann.".

00:42:01: Das heißt auch da wieder das rechte Maß in Wahrheit?

00:42:03: Genau!

00:42:04: Wir leben ja auch in der Zeit wo's die einen gibt, die ganz empathisch sind.

00:42:09: Schopenhauer war ja doch einer, der sehr viel von Empathie gehalten hat.

00:42:12: Es gibt auf der anderen Seite – ich glaub' da sehe ich mich – eher die, die eckpathisch sind.

00:42:17: Also was darum geht nicht in den Strudel des Anderen reingezogen zu werden heißt deswegen Gefühlskelte, aber noch handlungsfähig zu sein.

00:42:26: Also eher zu fragen was brauchst du und nicht zu sagen boah ganz arm und ganz arg und sich in die Emotionen der anderen reinzulassen?

00:42:33: Wo stehst Du beim Thema Empathieckparty?

00:42:37: Es ist eine interessante Frage.

00:42:39: man kann das ja durchaus amivalent auch praktizieren.

00:42:41: Der von dir genannte Schopenhauer hat zwar das Mitglied also die Empathies zum Fundament seiner Ethik erhoben Selber war er aber ein stattgekannter Menschenfeind, der zugegeben hat seinen Hund mehr zu lieben als seine Mitmenschen.

00:43:00: Das heißt man kann beides sein.

00:43:03: Ich bin sozusagen einer haltlosen Empathie gegenüber auch skeptisch.

00:43:10: ich glaube dass es auch eine Form von Humanität ist gewisse Distanz zwischen Menschen aufrecht zu erhalten.

00:43:18: Es ist auch eine Form von Humanität, Menschen bei sich sein zu lassen und nicht immer zu versuchen in sie hineinzudringen.

00:43:34: Distanz, das sozusagen für Ihnen vornehmen Charakter auszeichnete.

00:43:40: Das hat nichts mit Aroganz zu tun, sondern tatsächlich mit dem Ansehnen.

00:43:47: jeder Mensch hat das Recht auch der zu sein, der sein will und ich habe nicht das recht ständig in ihn einzudringen.

00:43:55: Deswegen würde ich auch zwischen Mitleid und Empathie ein bisschen einen Unterschied machen, denn als Mitleide bezieht sich ja nur auf denjenigen, der offensichtlich Not ist und vielleicht meiner Hilfe bedarf.

00:44:06: Das ist ganz was anderes als Empathie vorzutäuschen dort, wo ich gar keine Empathien haben kann weil mich den ohnehin nicht reinversetzen kann.

00:44:16: Ja guter

00:44:17: Punkt!

00:44:18: Du wie isst denn das?

00:44:19: Also heute hat die westliche Welt des Paradies verwechselt und statt Erlösung bloß Komfort war man vorhin schon wegen Convenience gefunden.

00:44:28: also ist der moderne Mensch ein Hedonist mit schlechten Gewissen per se.

00:44:35: Also der Philosoph und mein Freund Robert Pfeiler würde sagen er ist erstens kein Hedonist, denn er versagt sich ja heute Genüsse.

00:44:45: Es ist auch so eine interessante Sache.

00:44:47: nicht auf der einen Seite haben wir das Gefühl wir sind alles Hedonianisten Wenn man auf der anderen Seite schaut, gerade in den Blasen und wir uns bewegen.

00:44:56: Was machen die Menschen?

00:44:57: Sie genießen nicht!

00:44:59: Sie versagen sich hier jeden Genuss.

00:45:02: Alles muss klinisch sauber sein.

00:45:04: Alles ... muss politischer korrekt sein.

00:45:07: Alles muss ernährungsmoralisch korreakt sein.

00:45:10: Das darf man nicht essen, das darf man sich nicht essen.

00:45:14: Das kann man nicht trinken.

00:45:17: D.h.,

00:45:18: wo ist der Hedonismus bei einem veganen Leben?

00:45:21: Menschen, da muss sich ja neunzig Prozent der Speisen eine sich bisher in der Menschheitsgeschichte den Menschen erfreut haben.

00:45:28: Da muss sie sich ja verbieten.

00:45:31: Das heißt im Grunde laufen wir unhedonistische Verkniffen herum und das schlechte Gewissen haben wir nicht, weil wir Hedonisten mit schlechtem Gewissen sind sondern ein schlechter Gewissen habe ich noch bei einer kleinsten hedonistischen Regum die sich ergäbe Und sofort sagen, aber aus moralischen Gründen ist das Pfeu.

00:45:52: Das darfst du nicht tun.

00:45:55: Mittlerweile will man uns sogar in diesem heißen Sommer Klimaanlagen verbieten, weil sie moralischer Werflich

00:46:02: sind.".

00:46:02: Du, aber wie ist denn das bei dir?

00:46:03: In deiner philosophischen Zunft... Also wenn du sagst also Faller is jetzt hier jemand der sich das eher versagt, er aber zum Beispiel für einigen... Nein,

00:46:12: er versagt sich das nicht!

00:46:13: Er kritisiert das, dass wir das genießen verliert Okay,

00:46:19: weil der hat vor einigen Monaten Slavoj Sicek nach Wien gebracht.

00:46:22: Ich war dort, also das ist jetzt sicherlich bei allen Dingen die er anders sagt.

00:46:27: Also Slavoje Sicec wirkt schon so als wäre Hedonist in seinem Ding.

00:46:31: Ich

00:46:31: sage ja, deswegen sage ich her, die stehen auf dieser Position wenn man soll genießen, man soll trinken ,man soll rauchen und man soll Fleisch essen... Wenn es uns Spaß macht!

00:46:40: Und vor ihnen saßen da nicht Wahnsinn am Tisch?

00:46:43: Also direkt vor der Bühne und da saßen dann viele mit vegetarischen Teller.

00:46:47: man denkt, dass es gar nicht wovon er erzählt.

00:46:50: Du, wenn morgen sämtliche Bildschirme der Welt für einen Monat schwarz bleiben?

00:46:54: Würde die Menschheit im Panik geraten oder endlich wieder zu sich selber finden?

00:47:02: Also da könnte ich jetzt nur spekulativ sagen sie würde zwei Tage in Panik geladen und dann die Erfahrung machen das lebt sich ganz schön ohne Bildschirm.

00:47:14: Ohne Fernseher!

00:47:14: Also das

00:47:16: heißt...

00:47:17: Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ja ich gebe zu dass ich jetzt hin und wieder den Fernseher einschalte weil Fußballweltmeisterschaft ist.

00:47:24: Das ist aber der einzige Grund.

00:47:27: ansonsten hätte ich vor einem Monat schwarzen Bild schon überhaupt keine Sorge.

00:47:31: es gibt meiner Bibliotheken so viele Bücher.

00:47:34: die könnte ich dann endlich lesen.

00:47:35: das wäre eigentlich wunderbar.

00:47:36: Wäre eigentlich wunderba.

00:47:38: Wie ist denn das wenn man da so viel gelesen hat?

00:47:40: Und soviel Verstehzusammenhänge gebaut hat und wahrscheinlich mehr Bücher ja vergessen hat als andere jemals gelesen haben, wo kommt denn dann noch die Originalität des eigenen und frischen Gedanken her?

00:47:57: Naja wir bauen ja immer auf anderen aus.

00:48:02: Es ist eine romantische Vorstellung dass man gleich so was denn nichts heraus noch einmal wirklich originell im Denken oder auch im künstlerischen Schaffen sein kann.

00:48:13: es mag vielleicht ganz wenige Momente geben in der Kulturgeschichte, wo solche ganz neuen Strategienerkenntnisse Paradigmenwechsel es gegeben hat oder stattgefunden haben.

00:48:29: Im Wesentlichen habe ich gar kein Problem damit zu sagen natürlich arbeiten wir uns an dem ab was Menschen so ein hervorgebracht haben.

00:48:36: Intellektuelle Aneignungen?

00:48:38: Natürlich, also intellektuelle kulturelle Anleihen und gar kein Problem damit.

00:48:41: das ist das Prinzip unseres kulturellen wissenschaftlichen Fortschritts.

00:48:46: Haben wir immer gemacht.

00:48:48: man kann vielleicht ein bisschen vornehmen umgehen mit dem was man sich aneignet und vielleicht auch mehr respektieren und zu sagen da bauen wir jetzt auf etwas auf.

00:48:57: Aber es ist natürlich völlig klar, unsere Mathematik kommt aus Indien und aus Arabien.

00:49:02: Platon wäre ohne das ägyptische Denken der ägyptischen Philosophie nicht denkbar gewesen.

00:49:10: Das europäische Mitleiter hat überhaupt die Renaissance oder zur Voraussetzung wie Wiederentdeckung der Antike.

00:49:16: Das wäre ohne die islamischen Philosophen nicht möglich gewesen, die dieses antike Erbe gerettet haben.

00:49:23: Das heißt also, dass es ständiges gehen sich aneignen und weiterentwickeln.

00:49:31: Und wenn man dazu scheißweise einen winzig kleinen Beitrag leisten kann bei dieser Weiterentwicklung, ist das denke ich für jeden wunderbar!

00:49:40: Wer ist denn für dich?

00:49:41: Wenn du so zurückschaust oder in deiner Bibliothek durchgehst, wer isst denn einer der gefährlichsten Philosophen?

00:49:49: Gefährlich!

00:49:50: Also wenn sie ernst nimmt sind alle gefährlich... weil sie uns natürlich immer wieder auf Dinge aufmerksam machen, die unseren Alltagsverstand und seinen üblichen Vorstellungen oder moralischen Verzeugungen zuwiderlaufen.

00:50:06: Weil Sie streng mit uns sind!

00:50:09: Deswegen gibt es einen Mann, den ich gar nicht gerne... gelesen oder rezipiert werden.

00:50:15: Ja, ich finde die

00:50:16: Sophisten wären da immer so ein bisschen stiefkindlich.

00:50:19: Das sind ja in Wahrheit die Urväter meiner Zunft.

00:50:21: von allen Trainern beraten wahrscheinlich auch Juristen also irgendwie für eine Meinung Geld zu nehmen.

00:50:27: Ich finde die wären da auch immer so etwas stiefkindlich.

00:50:29: Die werden stief kindlich behandelt mittlerweile aber wieder rehabilitiert.

00:50:33: Aber du magst sie Ahne?

00:50:35: Du stimmt

00:50:35: überhaupt nicht!

00:50:36: Also ich find das Sophisten hoch interessant nicht nur weil sie Geld genommen haben, sondern weil sie natürlich bis zu einem gewissen Grad vorexaktiert haben wie unangenehm es ist bestimmte Dinge zu Ende zu denken.

00:50:54: Also mein Liebungsbeispiel ist immer Gorgias, einer der großen Sophisten, natürlich großer Feind von Platon wie alle dieses Sosisten, der gesagt hat Es gibt keine Wahrheit, es gibt keine Erkenntnis.

00:51:09: Warum?

00:51:10: Geerkennt ist das prinzipiell unzugänglich.

00:51:13: Wäre sie uns unzugenglich... könnten wir sie nicht formulieren.

00:51:17: Könnten wir sie formulieren, könnten wir Sie nicht verstehen?

00:51:20: Also könnten wir sich nicht mitteilen.

00:51:22: also gibt es keine Erkenntnis in diesem wenigen Gedanken.

00:51:25: und selbst ist das ganze Problem der Wahrheitstheorie, der Kommunikation.

00:51:30: was heißt dass jemanden tatsächlich angemessen zu verstehen steckt hier schon drinnen.

00:51:36: Sofisten waren auf deiner Seite genial darin Dinge zuzuspitzen oder Protagoras bis heute kritisiert.

00:51:44: Der Mensch ist der Maß aller Dinge, die erscheinten, dass sie sind und nicht seiten, das sie nicht sind.

00:51:48: Welche Hübris?

00:51:49: Überhaupt kein Hüberes!

00:51:51: So eine besagt damit nur wir können uns nichts vorstellen außerhalb unseres Denkens.

00:51:56: Wir sind am Maßstab für alles.

00:51:58: Wir haben keinen Standpunkt außerhalb des Universums.

00:52:02: Und wir sind nicht Gott ganz einfach Und das ist großartig.

00:52:07: Und auf der anderen Seite natürlich, Sie haben Geschäfte gemacht, sie haben sich gerühmt Strategien entwickelt zu haben die das schlechte Argument zu einem guten Argument machen.

00:52:17: Sie haben getrickst vor Gericht und auf der einer Seite gehört es natürlich auch zur Grundgeschichte, der Philosophie.

00:52:29: Sofern sich Philosophien auch als ein Geschäft versteht das Menschen unterstützt, das Menschen berät und das Menschen zu einem Erfolg verhelfen will.

00:52:41: Letzte

00:52:42: Frage!

00:52:44: Immer mehr Menschen haben viel Meinung aber wie man gesagt haben kann gar nicht so viele Ahnung.

00:52:48: ich erlebe die Schule des Sprechens aus einer Institution des Denkens weil wenn wir sprechen wollen müssen es irgendwie schon vorher auch mal gedacht haben Wie wichtig glaubst du bleiben Stimme und Sprache auch vor dem Hintergrund der KI in Zukunft?

00:53:04: Es ist schwierig, denn natürlich sind durch die KI Stimme- und Sprach mittlerweile nicht manipulierbar sondern fingierbar.

00:53:15: Das heißt von der physischen Präsenz losgelöste Stimme ... ist eine unglaublich interessante Frage.

00:53:24: Wem gehört die eigentlich?

00:53:26: Wir haben im Bereich von Sprechern, von Schauspielern... Jetzt diese Debatte habe ich in Recht auf meine Stimme.

00:53:35: Kann ich meine Stimmen verkaufen?

00:53:36: Kann sich jemand meine Stimme...?

00:53:38: aneignen, weil er heute irgendeine Aufzeichnung meiner Stimme hat und mich dann sagen lassen kann Dinge die überhaupt nicht gesagt habe.

00:53:48: Das wird zu einer ganzen Reihe von juristischen Urheberrechtlichen Problemen führen.

00:53:56: Ich glaube dass ich gerade durch diese Möglichkeiten der Künstlerintelligenz wieder ganz alte Verhältnisse und ganz alte Bedeutungen reetablieren werden.

00:54:11: etwa die Einheit von Stimme und physischer Präsenz.

00:54:16: Also so wie wir uns jetzt gegenüber setzen, weiß ich du bist nicht manipuliert.

00:54:21: was du sagst hat keine KI generiert.

00:54:24: Die Stimme die ich jetzt höre ist deine Stimme.

00:54:27: das heißt es gibt bei Marcel Brust den auf der Suche nach der verlorenen Zeit eine wunderbare Szene wo ich glaube der Ich erzähle zum ersten mal telefoniert Und dass für ihn ein gespenstisch Erfahrung Trennung von Stimme und Person.

00:54:43: Er hört eine Stimme, aber die Person, die zu ihm spricht ist hunderte Tausende Meilen entfernt.

00:54:51: Das war für ihn eine schockhafte Erfahrung, die wir gar nicht mehr nachvollziehen können, weil telefonieren für uns mal etwas Selbstverständliches war mittlerweile eher auch schon wieder aus der Mode gekommen ist.

00:55:00: Aber wir kehren jetzt auf interessanter Weise aufgrund des höchsten technischen Niveaus wieder zurück zu vortechnischem Erfahrungsmöglichkeiten, die eine neue Bedeutung für uns bekommen.

00:55:15: Das heißt wir werden sehr viel über die KI und ihre Möglichkeiten in den nächsten Jahren nachdenken.

00:55:20: Wir werden aber auch sehr viel wieder nachdenaken über das was heißt physische Präsenz leibliche Anwesenheit.

00:55:29: Und da werden wir wieder darauf stoßen, dass es eine Philosophie hochinteressante Ansätze zu einer Phänologie, eines Philosophies des Leibes, einer Philosophiede der Unmittelbarkeit gegeben hat, die wir lange vergessen hatten und die uns jetzt wieder ganz wichtig wären.

00:55:44: Also

00:55:44: heißt je besser die Maschinen werden umso besser müssen wir Menschen werden?

00:55:48: Ganz klar!

00:55:51: Das weiß ich gar nicht.

00:55:52: oben mehr... besser werden müssen.

00:55:55: Ich würde eher sagen, je besser die Maschinen werden umso menschlicher Müssen.

00:55:59: Weil die KI kann viel kopieren aber Emotionen erzeugen können sie noch nicht?

00:56:04: Noch

00:56:05: nicht!

00:56:05: Was passiert wenn es ist kann wird interessante Frage werden.

00:56:10: ich glaube ich werde jetzt nicht mehr erleben aber genau würde ich das.

00:56:16: mit Sicherheit würde ich dass auch nicht behaupten.

00:56:18: es gibt Entwicklungen in die so rasant sind dass wir uns immer wieder überraschen.

00:56:23: Auf der einen Seite erschreckend, auf der anderen Seite bin ich halt genug, um sagen zu können.

00:56:28: Das ist unglaublich faszinierend!

00:56:30: Was sich die Menschheit hier alles einbrockt.

00:56:32: schon erstaunlich.

00:56:34: Danke schön, dass du heute da warst.

00:56:36: Ich

00:56:36: danke dir, es war ein wunderbares Gespräch

00:56:45: für mich.

Über diesen Podcast

Tatjana Lackner holt interessante Gäste aus Politik und Wirtschaft vor das Mikrofon. Viele Studiogäste (m/w) haben selbst mehrfach Bücher geschrieben. Die Talks sind charmante, unverblümte und garantieren frische Inhalte. Zu Wort kommen auch Trainer-Kollegen. Diese Experten-Talks sind vergnüglich anzuhören, klar am Punkt und es warten viele Insider-Infos.

In "Rhetorik: Tipps & Tools mit Tatjana Lackner" hingegen bekommt man Wissenswertes rund um Rede-Design und Gesprächsführung "auf die Ohren".

von und mit Die Schule des Sprechens

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